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Produktivität von Wissensarbeitern

Beitrag verlinken am 12.07.2009 geschrieben
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Stellungnahmen und Ideen zu diesem Beitrag http://wissenschaftler20.mixxt.de/networks/files/file.5864 würden mein ehem. Doktorand Heidecke und ich sehr schätzen.
Und zwar bewegen mich folgende Fragen, um diesen Beitrag zu ergänzen, weiterzuentwickeln und zu überarbeiten, so dass er den Kriterien für die Annahme zu einer wissenschaftlichen Konferenz oder wissenschaftlichen Zeitschrift genügt.
Die Zielgruppe für die "Botschaft" dieses Beitrags sehe ich vor allem in der Managementpraxis. Dort wird folgende Problemstellung immer wieder an mich herangetragen (meine Gruppe befasst sich mit wissenschaftlich abgesicherten Methoden zur erfolgversprechenden Einführung von Information & Collaboration Workspaces Software):
Frage a) Welche messbaren Produktivitätseffekte bringen solche Softwareprodukte?
Frage b) Wie können Führungskräfte darauf hinwirken, dass diese Produktivitäts-Potentiale auch zur Wirkung kommen (d.h. dies setzt bestimmte "collaboration behaviors and values" voraus, die gelernt bzw. entwickelt werden müssen).

Vor diesem Hintergrund also konkret diese Fragen an die Peer-Community, über die üblichen Gutachterlichen Kriterien & Kritik hinaus:
- Wo bietet sich eine Forschungsfrage, die mit empirischen Forschungsmethoden angegangen werden kann (so klein, dass in einem Projekt von 3-6 Monaten machbar), so dass ein empirisches Forschungsergebnis mit diesem "Theorieentwurf" verbunden werden kann?
- Wer in der Bildungsforschungs-Community befasst sich fokussiert mit diesem Thema?
- Welche Theorien und Grundlagen zu dem Thema sind unbedingt zu sichten etc.?
- Welche Konferenz bzw. welches Journal wäre sehr passend für so einen Beitrag?
Beitrag verlinken am 13.07.2009 geschrieben
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Hallo Andrea,

ich habe euren Artikel gelesen. Vieles von dem, was ihr dort beschreibt, erinnert mich an die Art und Weise, wie ich Web-2.0-Anwendungen kennengelernt habe und darin "kompetent" geworden bin, ganz außerhalb von betrieblichen Kontexten. Insbesondere der Bereich "Entwicklung von Kompetenzen" erinnerte mich an meine eigenen Erfahrungen. Insofern glaube ich, dass insbesondere dieser Abschnitt sogar viel allgemeiner anwendbar ist.

Ich würde gerne auf eine deiner Fragen antworten (auf die anderen habe ich momentan keine), nämlich die zur Forschungsfrage.... mmmh.... eine Überlegung dazu:

Ich habe interessanterweise nach dem Artikel den Text von Gabi gelesen, der auch hier in der Community steht. ("Mögliche Wege der Erkenntnis in den Bildungswissenschaften") . Vielleicht eignet sich dieses Feld gerade für den "mittleren" Bereich, die "Veränderungsforschung"? D.h.: gezielte Interventionen in der Praxis und die Erforschung der Wirkungen dieser Interventionen - was allerdings oft für "unwissenschaftlich" gehalten wird (kann ich natürlich nicht zustimmen; mehr dazu schreibe ich bei Gabis Artikel). Dann stellt sich mir die Frage, ob eine Intervention in diesem Feld in einer so kurzen Zeit (du schreibst von 3 bis 6 Monaten) überhaupt Wirkung zeigen kann. Ist es nicht eigentlich ein viel längerfristigeres Unterfangen, z.B. in einem Betrieb den Umgang mit Wissensarbeit zu verändern? Anders gefragt: Würde eine "kleine empirische Studie", womöglich in Form eines Experiments, dem komplexen Thema überhaupt gerecht?

Viele Grüße,

Christian


Beitrag verlinken am 14.07.2009 geschrieben
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Liebe Andrea,

ich bin ja kein Freund des Messens, vor allem weil ich beobachte, dass inzwischen immer mehr Personen, die sich damit beschäftigen, vergessen haben, dass der Messbegriff bei Themen rund um Wissen, Lernen und Bildung allenfalls eine Metapher sein kann: Messen kann ich in der Physik bzw. alles, was mit materiellen Dingen, mit Raum und Zeit zu tun hat. Unsere Themen – so auch die in eurem Text behandelte Wissensarbeit – ist ein Konstrukt. Wenn man sich denn auf das Messen einlassen will, dann braucht man entsprechend unmittelbar beobachtbare Indikatoren für das Konstrukt der Wissensarbeit. In der Tat stellt sich dann die Frage, was an diesem komplexen Phänomen (und dem ihm zugeordneten Konstrukt) denn genau interessiert: Da sind freilich unzählige Fragen möglich. Sobald du in ein experimentelles Design gehst, ist Bescheidenheit das oberstes Gebot: Welche Variable ist deine „Drehschraube“, also die unabhängige Variable, die du variieren willst? Und was ist die abhängige Variable (also das, worauf man schaut, wenn man sich Wirkungen erhofft)? Man muss nicht lange darüber nachdenken, um festzustellen, dass man da sehr viele Fragen stellen kann, die eine ganzes Heerschar von Studierenden mit Bachelor- und Masterarbeiten versorgen können.

Was folgt daraus? Eine empirisch zu untersuchende Forschungsfrage müsste sich aus meiner Sicht auf einen kleinen Ausschnitt des im Rex aufgespannten Feldes konzentrieren, also z.B. auf den individuellen Kontext und da wiederum auf einen Bereich, von mir aus den kognitiven Bereich. Eventuell könnte man mal über Selbstbeobachtungen den Anteil der Kommunikation an der Bewältigung von typischen Aufgaben im Rahmen der Wissensarbeit ermitteln: Man müsste dann ausreichend Probanden gewinnen, die z.B. strukturierte Selbstbeobachtungsbögen ausfüllen. Wie die Forschungsfrage genau aussieht, kommt darauf an, welche theoretischen Ansätze man genau zugrunde liegt. Die Ergebnisse sagen dann aber noch wenig über Wissensarbeit an sich aus – vor diesem Problem wird man aber immer stehen, weil es nahezu unmöglich ist, die im Text dargestellten vielfältigen Faktoren gleichzeitig zu erfassen. Das ist jetzt nur als Beispiel zu verstehen, denn ich halte – wie gesagt – sehr viele Fragen für möglich.
Natürlich kann man auch – wie Christian vorschlägt – eine Art Interventionsforschung machen: Die Intervention müsste man theoretisch begründen. In dem Fall kann man dann sicher Effekte auf mehreren Ebenen erfassen – das ist aber in drei Monaten (das sehe ich auch so) keinesfalls machbar.

Die Frage nach einer geeigneten Zeitschrift stelle ich mir leider oft genug auch: Die klassischen Peer-Review-Zeitschriften haben sich oft auf ganz bestimmte Settings eingeschossen. Ich kann da nicht gut weiterhelfen, weil ich da selbst nicht so gut bin. Das wäre ja vielleicht mal ein kleines Projekt in dieser Community, geeignete Zeitschriften zu sammeln und kurz zu charakterisieren. Mir geht es inzwischen manchmal schon so, dass ich mir denke: Sollen sie mir doch gestohlen bleiben diese Zeitschriften, ich stelle es ins Netz (mein Studientext Wissensmanagement ist inzwischen ca. 600 Mal heruntergeladen worden – in nur drei Wochen; so viele Bücher sind sicher noch nie von mir in drei Wochen gekauft worden). Das ist aber für Nachwuchswissenschaftler kein guter Rat und es ist auch eine resignative Strategie. Ich will damit auch nur sagen, dass ich in dieser Frage ebenfalls oft am Zweifeln und eher unsicher bin.

Noch ein paar Sätze zum Text selbst bzw. was mir aufgefallen ist: (1) Nicht so ganz verstanden habe ich den schnellen Sprung von der Wissensarbeit zu Social Software. Man könnte folgern, dass Wissensarbeit ohne Social Software nicht möglich ist. Da fehlt mir ein verbindendes, vielleicht auch relativierendes Moment. (2) Auf Seite 105/106 werden die „generischen Tätigkeitsfelder des Wissensarbeiters“ an sich nur mit dem Informationsbegriff beschrieben: Das ist mir nicht ganz klar, warum man sich da jetzt auf den Informationsbegriff zurückzieht. Zumindest klären müsste man da die Beziehung zwischen Information und Wissen. (3) Auf S. 109/110, wo es um den Verlauf der Kompetenzentwicklung geht: Also da gibt es ja sehr viel und ihr bezieht euch da auf Euler, aber in diesen Abschnitten sind aus meiner Sicht sehr viele Behauptungen, von denen man jede vergleichsweise leicht aus den Angeln heben könnte. (4) generell KÖNNTE man dem Text vorwerfen, dass er versucht, allzu viele Dinge zu integrieren: Wenn man einen eher theoretischen Text in einer Zeitschrift einreicht, ist man manchmal besser beraten, sich stärker auf ein paar Leitkonzepte zu integrieren. Vielleicht könnte man den Text daraufhin nochmal durchsehen?

Soweit von mir.
Gabi
Beitrag verlinken am 14.07.2009 geschrieben
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Gabi Reinmann:

Die Frage nach einer geeigneten Zeitschrift stelle ich mir leider oft genug auch: Die klassischen Peer-Review-Zeitschriften haben sich oft auf ganz bestimmte Settings eingeschossen. Ich kann da nicht gut weiterhelfen, weil ich da selbst nicht so gut bin. Das wäre ja vielleicht mal ein kleines Projekt in dieser Community, geeignete Zeitschriften zu sammeln und kurz zu charakterisieren. Mir geht es inzwischen manchmal schon so, dass ich mir denke: Sollen sie mir doch gestohlen bleiben diese Zeitschriften, ich stelle es ins Netz (mein Studientext Wissensmanagement ist inzwischen ca. 600 Mal heruntergeladen worden – in nur drei Wochen; so viele Bücher sind sicher noch nie von mir in drei Wochen gekauft worden). Das ist aber für Nachwuchswissenschaftler kein guter Rat und es ist auch eine resignative Strategie. Ich will damit auch nur sagen, dass ich in dieser Frage ebenfalls oft am Zweifeln und eher unsicher bin.


Die Sammlung von Zeitschriften im bildungswissenschaftlichen Bereich halte ich für eine sehr gute Idee. Wollen wir eine solche Sammlung hier anfangen (auf der wir zunächst vielleicht auch einfach bereits bestehende Sammlungen verlinken, die wird es doch bestimmt geben). Alternativ könnte ich mir vorstellen, auf deinen (Gabi) theoretischen Überlegungen zur Forschung innerhalb der Bildungswissenschaften (siehe deinen Artikel in diesem Forum) eine eigene Zeitschrift zu gründen, die open ist (z.B. durchaus auch mit entsprechender CC-Lizenz) und von uns (der Community) gereviewt wird. Dieser Review-Prozess könnte sich nahtlos in das Peer-Review-Konzept dieser Community eingliedern: Ein Artikel wird bereits im Entstehungsprozess vorgeschlagen, die Mitglieder dieser Community reviewen im Forum, das Produkt wird veröffentlicht. Was haltet ihr davon?
Beitrag verlinken am 14.07.2009 geschrieben
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Stimme der Grundidee zu. Allerdings sind Andrea und ich Mitherausgeber der Zeitschrift für E-Learning, bei der wir uns schon seit längerem um ein Open Access-Modell bemühen - und die Hoffnung noch nicht aufgegebn haben, mit dem Verlag eine Lösung zu finden. Wir müssen da jetzt zusehen, dass sich verschiedene Aktivitäten nicht gegenseitig im Weg stehen. Vielleicht entwickeln sich ja auch Ideen, wie sich das verbinden lässt. Alles weitere besser bei einem synchronen Treffen.

Gabi
Beitrag verlinken am 14.07.2009 geschrieben
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ok!
Beitrag verlinken am 16.07.2009 geschrieben
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Hallo Andrea,

Deine Fragen kann ich Dir nicht beantworten, eher will ich die Diskussion um eine weitere Frage bereichern, die im Artikel nicht vorkommt:

Wie können Wissensarbeiter selbst ihre Arbeitsbedingungen im Unternehmen mitgestalten?

Beim Lesen des Beitrages wurde ich immer wieder an Diskussionen und Prozesse im Rahmen der Einführung von E-Government in Baden-Württemberg erinnert. Ausgehend von Telearbeit, über Projekte wie "Multimedia Arbeitsplatz der Zukunft" bis hin zum aktuellen "Anwenderforum E-Vergabe- Kompetenznetzwerk T-City Friedrichshafen" ist Welf Schröter derjenige, der einen weiten Blick auf die Dinge hat. Dies mündete bereits 2003 in der zweiten Esslinger Erklärung (http://mediakomm.difu.de/documents/preistraeger/esslingen/2.esslinger.erklaerung.21.2.03.pdf).

Ich bin nach einer Vielzahl von Projekten mit Welf der festen Ansicht, dass ohne entsprechende Kooperationen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, die auch im Sinne von verbindlichen Vereinbarungen festgeschrieben werden müssen, eine Produktivitätssteigerung durch Web 2.0 Anwendungen nur schwer zu ereichen ist. Evtl. bietet sich ja der Kontextfaktor "Unternehmenskontext" für eine Ergänzung an.


Beitrag verlinken am 16.07.2009 geschrieben
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Gabi Reinmann:

Stimme der Grundidee zu. Allerdings sind Andrea und ich Mitherausgeber der Zeitschrift für E-Learning, bei der wir uns schon seit längerem um ein Open Access-Modell bemühen - und die Hoffnung noch nicht aufgegebn haben, mit dem Verlag eine Lösung zu finden. Wir müssen da jetzt zusehen, dass sich verschiedene Aktivitäten nicht gegenseitig im Weg stehen. Vielleicht entwickeln sich ja auch Ideen, wie sich das verbinden lässt. Alles weitere besser bei einem synchronen Treffen.

Gabi


Die Idee einer kommentierten Linksammlung von Zeitschriften finde ich gut, wobei es auf die Zielgruppe bzw. deren "Optik" ankommt. Da sich in meiner Disziplin das Promovieren und Habilitieren hin zum kumulativen Verfahren entwickelt (d.h. Publikationen in anerkannten wissenschaftlichen Zeitschriften), macht es am meisten Sinn, die Zeitschriften zu sammeln, die in offiziellen Listen als "anerkannt" gelten. D.h. Mindestanforderung wäre ein ordentliches Peer-Review-Verfahren, typischerweise double-blind. Solche Listen gibt es in meinem Fach vom Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft, und einzelne Hochschulen haben ihre eigenen Listen. Da wäre es sinnvoll zu identifiieren, welcher Fachverband sich dieses Themas annimmt.
In Sachen Zeitschrift gründen und mich engagieren bin ich - da schon bei der ZEL Mitherausgeber - zurückhaltend. Das ist ein grosses Projekt, das erst nach langer Zeit nachhaltige Früchte trägt, fast wie ein Kind aufziehen, so dass ich sagen muss, meine Kapazität ist erschöpft, bei einer Zeitschrift als Mitgründer und Herasugeber engagiert zu sein.
Beitrag verlinken am 16.07.2009 geschrieben
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Ich habe ja zunehmend meine Zweifel am Sinn des "double blind": Warum muss man sich denn als Gutachter überhaupt "verstecken"? Manchmal habe ich den Verdacht, dass die Anonymität der Gutachter auch dazu verleitet, entweder zu destruktiv zu urteilen (ohne konstruktive Hilfe) oder es sich auch zu leicht zu machen nach dem Motto "passt schon" ... man ist ja anonym. Blöd ist, dass der Begutachtete nicht nachfragen und auch die Expertise des Gutachters gar nicht einschätzen kann. Ob und inwieweit das eventuell auch anders geht, kann man ja in dieser Community mal testen. Ich weiß, das ist jetzt "David gegen Goliath" - die gängige Praxis heißt halt "double blind", aber in jeder Hinsicht überzeugend finde ich das Verfahren nicht. Trotzdem tragen wir es alle mit - wobei ich nicht betsreite, dass es auch Bedingungen geben kann, wo ds sinnvoll ist. Aber warum gilt allein das als der Wissenschaft angemessen?

Gabi
Beitrag verlinken am 16.07.2009 geschrieben
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Hallo zusammen,

also, wenn wir das für sinnvoll halten, würde ich einfach mal ne Liste beginnen. Ok?

@Gabi Ich stimme dir vollkommen zu. Witzig finde ich es immer, wenn im double-blind-Verfahren begutachtet wird, man dann aber an den Literaturtipps des Gutachters merkt, wer Gutachter war (nämlich daran, welcher Name in allen Literaturstellen auftaucht. )

Ich überlege auch schon seit längerem, ob ich in Review-Verfahren nicht einfach meinen Namen unter die Reviews setze. Ich glaube, das mach ich...
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    (Bildungs-)Wissenschaftler 2.0
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